MTV bezwingt Stralsund vor über 3800 Zuschauern und spielt teilweise wie ein Zweitligist
Spielerische Überlegenheit, wunderbare Stimmung, deutlicher Erfolg: So lässt sich der Freitagabend in der VW-Halle zusammenfassen. Zugegebenermaßen etwas nüchtern, wir können auch leidenschaftlich: krasse Dominanz, bombastische Atmosphäre, mega Event!!! Die Drittliga-Handballer des MTV Braunschweig zeigen einmal mehr ihr Können in der großen Arena am Bürgerpark und bezwingen den Stralsunder HV vor jubelnder Menge mit 34:24 (18:7). 3810 Zuschauer wohnten der Machtdemonstration bei, damit war die Partie ausverkauft. Ein echtes Statement, ein besonderer Abend!
„Das war eine überragende erste Hälfte. Wenn wir so spielen, steigen wir in die 2. Liga auf“, freute sich Eike Engelbrecht, der zeitweise das Braunschweiger Tor hütete und einige schöne Paraden zeigte, nach dem Schusspfiff. Rundum zufrieden war der 18-Jährige aber nicht: „In der zweiten Halbzeit haben wir teilweise nicht sehr gut gespielt.“ Ähnliches tat Jan-Bennet Kanning kund: „Die erste Hälfte war perfekt. Danach haben wir etwas nachgelassen, sind dann aber wieder da und holen auch das Publikum ab.“ Der Rechtsaußen, der zwei Tore beisteuerte, sprach damit die Stimmung in der VW-Halle an – diese war trotz der Braunschweiger Überlegenheit mitreißend. Die Fans feierten die Mannschaft, sie feierten aber auch sich selbst.
Zum Spielverlauf: Wer in dieser Partie der Favorit sein würde, war vorab ausgemacht. Der MTV als Tabellenerster hatte gegen den Siebten den Support von tausenden Fans, strotzt aufgrund der vergangenen Monate nur so vor Selbstbewusstsein – die bisher einzige Saisonniederlage liegt schon Monate zurück, Mitte September hatte man gegen DHK Flensborg verloren.
Entsprechend entschlossen trat man auf, und gefühlt gelang die ersten 30 Minuten alles! Die Abwehr stand wie eine undurchdringliche Mauer, der Angriff kombinierte nach Belieben. Und dann war da noch Timon Serbest: Der Torwart hielt und hielt und hielt, die vielen Paraden waren kaum noch zählbar. „Timon war überragend“, lobte Kanning. Beweis gefällig? Stralsund kam zu lediglich sieben Treffern, das ist im Handball absolut ungewöhnlich und einfach nur stark!
Und so ging es mit 18:7 und elf Toren Vorsprung in die Pause. Langweilig? Dieses Wort mag dem einen oder anderen Zuschauer ob der Überlegenheit durch den Kopf geschossen sein, doch dem war nicht so. Zum einen machte dieser Abend unabhängig vom Geschehen auf der Platte unfassbar viel Spaß, zum anderen ließen die Braunschweiger in Durchgang zwei etwas nach. Stralsund drehte dagegen auf: Der Gästetorwart hielt diverse Bälle, der Angriff nutzte die Inkonsequenz in der MTV-Abwehr und machte ein Tor nach dem anderen.
Beim Stand von 28:21 nahm Coach Volker Mudrow eine Auszeit. Es mögen deutliche Worte gewesen sein, jedenfalls fruchteten sie: Philipp Krause und Co. gingen von nun an wieder griffiger und konzentrierter zu Werke, zeigten tolle Spielzüge. Jan Mudrow, der aufgrund seines Wechsels zum Bundesligisten TBV Lemgo im Sommer zum letzten Mal in der VW-Halle vor Braunschweiger Publikum auftrat, traf weitere drei Mal, Lukas Friedhoff zeigte ein wunderbares Kempa-Tor, Niklas Mellmann war im Tor eine Bank.
Und dann gab es zwischen Tim Otto und einem Stralsunder Gegenspieler noch eine Handgreiflichkeit, die fast zu eskalieren drohte. Das war in der 56. Minute, in der Folge sah Otto Rot, Niklas Wolters und ein Stralsunder wurden mit Zweiminuten-Strafen bedacht. Ein Aufreger, der die Halle noch einmal zum Kochen brachte. Die anschließenden vier Minuten wurde es noch mal richtig laut, der MTV nutzte dies für weitere Treffer, am Ende waren es unfassbare zehn Tore Vorsprung für den Gastgeber.
Fazit dieses Abends: MTV und VW-Halle funktionieren! Spielerisch liefert die Braunschweiger Mannschaft, ein buntes Rahmenprogramm mit Flugshow, Akrobatik und vielem mehr rundet die Veranstaltung ab. Und das Publikum ist mit dem unbändigen Support eine Wucht. Ohne diese funktioniert es nicht, deshalb: Danke für die tolle Stimmung!
MTV: Niklas Mellmann, Timon Serbest, Eike Engelbrecht; Benjamin Peitsaro (1), Tim Otto (5), Philipp Krause (5/2), Lukas Friedhoff (3), Jan Mudrow (7), Niklas Wolters (1), Nikolaos Tzoufras (2), Bela Pieles (2), Jan-Bennet Kanning (2), Philipp Neubauer (6), Mika Hoyer, Tim Lietz, Elias Opitz.